Allgemein Kolumne

Und ganz plötzlich ist alles was Du machst…

…WERBUNG

TITELBILD_ABMAHNGATE

Das, was ich Euch jetzt sagen muss, wird einige sicherlich umhauen, manche haben es schon gehört, viele können es nicht mehr hören, andere wollen es nicht wahrhaben und wieder andere fühlen sich nicht betroffen…!

Doch das ist falsch, denn was seit einer ganzen Weile, für viele erstmal im Verborgenen, passiert, das betrifft uns alle und geht uns damit auch alle an.

Das Internet, laut unserer Kanzlerin ja ein völlig neues Medium (jedenfalls hat sie das vor ein paar Jahren behauptet), (sollte) uns allen ja so viel Freiheit bieten.

Das Internet ist kein rechtsfreier Raum – so viel ist klar und jeder von uns, der klaren Verstandes ist, weiß das auch und verhält sich so. Aber das Internet ist eben ganz offensichtlich auch kein FREIER Raum.

Haben wir doch gedacht, wir können (modern wie wir sind), das Netz nutzen, um uns zu vernetzen, so fängt hier schon die Werbung an.

Was ich damit meine?

Aktuell auf vielen (großen) Accounts bei Instagram zu lesen und in Stories zu sehen.

Aber spalten wir erstmal die Instagram-Welt auf:

  • Es gibt die unter Euch, die Instagram ausschließlich als private Person nutzen. Die Fotos von sich, Ihren Freunden, dem Urlaub, dem Haustier, dem Abendessen usw. posten. Hier steuert Ihr aber schon auf die erste Falle zu – dazu gleich mehr.
  • Die kleinen bis mittelgroßen Accounts (dazu zählt auch unser Account), die Instagram privat, aber eben auch für den Blog nutzen. Auf neue Beiträge mittels Fotos aus dem jeweiligen Post hinweisen, von Events berichten, Outfits zeigen, neueste Shoppingerrungenschaften präsentieren usw. (böse Falle, auch hierzu gleich mehr).
  • Die großen Accounts aus allen möglichen Bereichen (Fashion, Lifestyle, Food, Travel, Sport) und was es noch so alles gibt – hier wird oft (aber nicht immer) zuerst zugeschlagen – das erkläre ich jetzt.

Worauf ich hinaus will ist eine, teilweise schon vor vielen Monaten losgetretene, Abmahnlawine, die sich gewaschen hat.

Jetzt neigt Ihr vielleicht dazu zu sagen „Ja ok, wenn jemand mit Instagram, YouTube, Blog usw. Geld verdient und einfach zu doof ist, dann ist er/sie selbst schuld!“

Mitnichten, denn hierbei geht es nicht um Versäumnisse der Abgemahnten, hier geht es um viele, sehr viele verschiedene Modelle einer Wahnsinns Geldmaschinerie – den Abmahnungen.

Ein paar Beispiele:

Abmahnung durch das Taggen auf Fotos

  • Da wurde eine seit Jahren redaktionell tätige Bloggerin/Instagramerin abgemahnt, weil sie Firmen auf ihrem Foto getaggt (markiert) hat. Und zwar nicht bei einem Post, auf dem sie etwas zeigt, das man ihr zur Verfügung stellte oder für einen Post, für den sie bezahlt wurde – NEIN, sie hatte etwas an, das sie selbst gekauft hat und hat, der Vereinfachung halber, die Label markiert. Und zwar nicht, um bei den Firmen auf sich aufmerksam zu machen, sondern um Fragen vorzugreifen, woher das Kleidungsstück XY denn sei, da es jemand ganz toll findet und sich auch kaufen möchte. Diese Fragen kennen wir glaube ich alle und wir machen es Euch und natürlich auch uns durch das Taggen leichter, weil wir so nämlich nicht zeitintensiv Nachrichten beantworten „müssen“ – und zwar immer wieder mit den gleichen Infos/Antworten. Ja, wir sind faul, aber nur, weil wir alle ja noch ganz nebenbei arbeiten und Euch mit neuen Inhalten erfreuen möchten, die auch ihre Zeit benötigen.

Also nochmal zur Erklärung:

Abmahnung durch das Taggen von Firmen, obwohl die Artikel SELBST GEKAUFT waren. Verrückt oder?

Das ist so, als wenn Ihr durch die Stadt lauft und jemand fragt Euch, woher etwas ist, das Ihr tragt – darüber dürftet Ihr dann keine Auskunft geben, es sei denn, Ihr schreit die Person vorher an, dass das, was jetzt als Antwort kommt, Werbung ist.

Abmahnung durch das Taggen von Freunden

Genau so skurril geht es weiter.

  • Eine Instagramerin hat auf Fotos Freunde markiert (gleiches gilt übrigens für das Markieren in Stories), da diese auf den Fotos zu sehen waren, oder weil sie in einem Video (im Feed oder Story) etwas über diese Personen erzählt hat. Sie wurde abgemahnt, da man ihr unterstellt hat (Schleich)Werbung für ihre Freunde zu machen. Will heißen – man unterstellt ihr, sie wäre (in welcher Form auch immer) von ihren Freunden entlohnt worden, um für diese Werbung zu machen.

Stellt also – um Gottes Willen – niemandem Eure Freunde vor, wenn Ihr irgendwo zusammensitzt. Das ist Schleichwerbung Eurerseits.

Abmahnung da Produkte „platziert“ wurden

  • Auf Instagram wurde ein Bild hochgeladen und im Hintergrund war Produkt XY zu sehen, ohne, dass es um dieses Produkt ging oder ohne, dass es plakativ dargestellt wurde. Auch wenn es nur auszugsweise zu sehen ist, kann das zu einer Abmahnung führen.
  • Genauso bescheuert ist es, dass sichtbare Labels schon unter den Aspekt der Werbung fallen, wenn nicht offensichtlich darauf hingewiesen wird, dass es sich um Werbung handelt (bzw. eine Anzeige).

Achtet also darauf, dass Ihr Euch ab sofort nur noch in neutralen, möglichst leeren Räumen ablichtet, damit keine Produkte im Hintergrund zu einer Abmahnung führen.

Tragt keine offensichtlichen Labels, es sei denn, Ihr weist darauf hin, dass es sich um eine Anzeige/Werbung handelt.

Abmahnung aufgrund von Standortmarkierung

  • Jeder hat ja so seine Lieblingsläden oder neigt dazu, sein Essen zu fotografieren oder das Lokal, Hotel, Bar oder was auch immer. Auch hier ist es praktisch, dass man den Standort hinzufügen kann – im Feed und in der Story. Mache ich auch – ist aber wieder etwas, das zu einer Abmahnung führen kann, wenn Ihr nicht klarmacht, dass es sich hier wieder mal um Werbung handelt. Dabei ist es schnurzpiepegal, dass Ihr Euer Essen/Euren Urlaub/Eure Getränke usw. selbst bezahlt habt. Ihr benennt eine Location, Ihr macht Werbung dafür.

Wenn Ihr also das nächste Mal bei Eurem Lieblings-Wasauchimmer sitzt, dann vergesst nicht Eingangs zu erwähnen, dass es sich hier um Werbung handelt.

Abmahnung für jedwede Form von Empfehlung

  • Egal was Ihr postet, was Ihr in Eurer Story macht – solange Ihr nicht über Euren Stuhlgang o. ä. sprecht, macht Ihr Werbung – und das müsst Ihr deklarieren, da Ihr sonst abgemahnt werdet.

Also kein Unboxing mehr von der Lieferung des Paketes, bei dem die Empfängerin immer schreit (ACHTUNG – WERBUNG und dann auch noch UNBEZAHLT), es sei denn, Ihr schreibt Werbung dazu.

Kein Hinweis über bestimmte Produkte, die Ihr gerade in Eure Pfanne werft, damit Ihr nicht am plötzlichen Hungertod sterbt.

Keine Freunde mehr markieren, damit andere sehen, mit was für coolen Leuten Ihr abhängt – schließlich ist es ja normal, dass Freunde einen dafür bezahlen, dass man sie erwähnt – bzw. dass man mit ihnen befreundet ist.

Keine Markierung mehr von den Sachen, die Ihr tragt, unerheblich, dass Ihr sie für Euer hart verdientes Geld selbst gekauft habt.

Keine Hinweis mehr, wo Ihr gerade seid.

Kein Foto mehr vom Konzert Eures Lieblingskünstlers (sowieso nicht mehr – schönen Gruß an die DSGVO – sind ja vielleicht auch die Füße von jemand anderem zu sehen).

Ihr wisst, worauf ich hinaus will?

Jeder von uns ist für den „Verband sozialer Wettbewerb“ (Achtung – WERBUNG durch Nennung) also eine wandelnde Litfaßsäule. Jeder Atemzug von uns ist Schleichwerbung (dabei ist es egal, ob Ihr nach Minze oder was auch immer riecht).

Euer Tun im Netz ist eine wandelnde Dauerwerbesendung und diese ist entsprechend von Euch auch so zu deklarieren.

ALLE Eure bisherigen Posts und natürlich auch ALLE künftigen sind als Werbung klar zu kennzeichnen – und das nicht erst am Ende Eures Posts oder gar in den Hashtags, nein, innerhalb der ersten 3 Zeilen Eures Posts, am besten direkt als erstes Wort. Alles andere könnte Euch mit Verschleierung und damit Schleichwerbung unterstellt und damit auch abgemahnt werden.

Jede Story ist entsprechend zu markieren.

Deshalb werden wir alle künftig nur noch eines sehen – WERBUNG – dabei schalte ich die im Fernsehen weg.

Ausserdem hat das einen weiteren, nicht unrelevanten Aspekt. Wenn jetzt alles Werbung ist, führt das dann nicht erst Recht zu einer Verschleierung?

Es gibt also schon einige, die abgemahnt wurden. Es wurden schon Verfahren gegen diese Personen geführt, sie mussten hohe Geldsummen zahlen und sind zum Teil damit aber noch nicht durch, denn sie kämpfen weiter.

Was nämlich auch noch wichtig ist – wenn Ihr abgemahnt werdet, dann geht es da erstmal augenscheinlich nur um eine kleine, geringe Summe und eine Unterlassungserklärung. Hier liegt aber die Krux – einmal unterschrieben, gehört Euch Euer Hintern nicht mehr. Denn wenn dann das Haar in der Suppe (oder der Fehler in Eurem Account) gesucht und auch noch gefunden wird (und wie sich jetzt gezeigt hat, gibt es keine klaren Verfahrensweisen der einzelnen Abmahnungen – hier wurde je Fall/Bundesland/Verband unterschiedlich begründet und abgemahnt), dann seid Ihr richtig am Allerwertesten. Dann geht es nämlich um etliche Tausend EUR.

Und hier kommt wieder WERBUNG:

Vreni ist die Bloggerin, bei der ich vor Wochen erstmals von dem Thema was mitbekommen hatte und durch die ich wiederum auf andere Instagramer gestoßen bin, die ebenfalls abgemahnt wurden und/oder bereits vor Gericht stehen oder standen.

Sie wurde abgemahnt, obwohl sie IMMER alle bezahlten/gesponsorten Posts auch als Werbung deklariert hat. Sie hat aber ein Bild getaggt (siehe Punkt 1 bei der Aufzählung), obwohl die zu sehenden Dinge von ihr selbst gekauft wurden.

Es gibt für Vreni seit ein paar Tagen ein Crowdfunding, denn sie hat jetzt schon etliche Tausend EUR an Gerichts- und Anwaltskosten gezahlt (sie hat in der ersten Instanz verloren), aber sie geht weiter – kämpft weiter – für uns alle. Notfalls bis zum BGH.

Hier nun die entsprechenden Links:

Vreni’s Account bei Instagram – HIER
Vreni’s Blog – HIER
GoFundMe-Kampagne für Vreni – HIER

Diese ganze Abmahnwelle – dieses #Abmahngate sorgt dafür, dass wir alle nicht mehr frei sind, dass alles Werbung ist und, dass letztlich Instagram und Co. nicht mehr genutzt werden wird, weil die Angst das Denken und Handeln von uns allen bestimmen wird.

Heute also mal sehr viel Text und kein Bild – naja, eines.

Aber mir war es wichtig, dass Ihr ein wenig von mir informiert werdet (und wichtig dabei zu wissen – das ersetzt keine Rechtsberatung und das sind von mir zusammengetragene Informationen, um also sicher zu gehen, googelt, schaut Euch die Profile von bereits Abgemahnten an und am sichersten – konsultiert einen Anwalt (für Medienrecht?)).

Ich habe schon so viele über die fehlenden Kennzeichnungen informiert, sie drauf hingewiesen, was gerade abgeht, bzw. schon länger. Aber ich dachte mir, so ein Beitrag ist ausführlicher und ich erreiche gerade vielleicht Dich – die/der vielleicht Gefahr läuft, ebenfalls abgemahnt zu werden.

Die Deklarierungspflicht bezieht sich auf ALLE Eure Posts – also wirklich alle. Das muss Euch klar sein.

Manche der abmahnenden Verbände bereiten sich langfristig vor und sammeln Beweise (teilweise wohl auch in Form von Screenshots – beachtet also, dass das hier DRINGLICH und ernst ist).

Ich hoffe, ich konnte den einen oder die andere erreichen und vielleicht auch ein wenig informieren.

Sandra_kleiner

 

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